Km 0 – Inicio
Heute ist der große Tag, und 20 Kilometer werden uns jetzt nicht einschüchtern; nachdem
diejenigen, die den Marsch in französischem Gebiet begonnen haben, ganze 740 Kilometer
hinter sich haben. Wir stehen mit dem Krähen des Hahns auf; denn wir sind fest
entschlossen, Santiago mit genügend Zeit zu erreichen, um an der Pilgermesse teilzunehmen,
die um 12:00 Uhr gefeiert wird. Wir sollten uns also bei unserem Spaziergang nicht
verlaufen.
Wir verlassen Pedrouzo und nehmen die öffentliche Herberge als Referenz, indem wir etwa
500 Meter unsere eigenen Schritte zurückverfolgen, um die Route wieder aufzunehmen.
Nachdem wir die öffentliche Schule des Gemeindebezirks erreicht haben, biegen wir nach
links ab, um in Begleitung unseres unschätzbaren Weggefährten, des Eukalyptus, einen
erdigen unter Laubstreu versteckten Weg entlang zu wandern. So erreichen wir San Antón,
ein Dorf der Gemeinde Arca am Ufer des Flusses Brandelos. Wir wandern in Richtung Amenal
und kommen dabei am gleichnamigen „Castro“ (keltischer Festungsbau) vorbei. Wir lassen den
Fluss hinter uns und überqueren die Nationalstraße anhand einer Unterführung. Jetzt steht
uns der größte Anstieg in Richtung Cimadevila bevor, wobei die ersten zwei Kilometer am
schwierigsten zu bewältigen sind.
An diesem Punkt bemerken wir eine Nervosität, die das Ende unserer Route ankündigt. Auch
die Kreuze, die von den Pilgern am Zaun des angrenzenden Flughafens hinterlassen wurden,
weisen uns daruf hin, dass wir bald unser Ziel erreichen werden. Ein paar Meter weiter
zeigt uns ein Monolith, in den der Pilgerstab, die berühmte Jakobsmuschel und der Kürbis
gemeißelt wurden an, dass dieses Gebiet bereits Compostela angehört.
Nachdem wir den Flughafen umgangen haben, überqueren wir eine Nebenstraße, die uns nach
San Paio führt. Hier erwartet uns erneut ein Aufstieg, um später in Richtung der Orte A
Esquipa und Lavacolla wieder herabzusteigen. Nachdem wir die „San Pelayo de Sabugueira“-
Pfarrkirche hinter uns gelassen haben, überqueren wir die N-634 und gelangen nach
Vilamaior. Beim Verlassen dieser Ortschafft kommen wir am Gebäude des Galicischen
Regionalfernsehens (TVG) und der hiesigen Zentralstelle der „Radio Television Española“
(spanisches Radio und Fersehen) vorbei. Wir erreichen San Marcos und schließlich den
„Monte do Gozo“ (Hügel), wo sich die größte bestehende Herberge des Jakobsweges befindet:
Sie wurde im Jahr 1993 eingeweiht und bietet während der Jahre großen Zustroms hunderten
von Pilgern Unterkunft. Von hier aus haben wir unseren ersten Überblick auf die Stadt
Santiago. Wir haben fast das Gefühl, unser Ziel erreicht zu haben.
Wir verlassen den Monte do Gozo und begeben uns in das Stadtviertel „San Lazaro“, indem
wir ein Rondell über der Autobahn überqueren, und gelangen so in die Sankt Lazarus-
Straße. Hier befinden sich unter anderem der Palast der Ausstellungen und Kongresse
Galiciens oder eine Skulptur eines compostelanischen Künstlers, welche die „Eröffnung der
Stadt für den Pilger“ symbolisiert, um ihn bei seiner Ankunft willkommen zu heißen.
Einige Meter weiter erreichen wir das Viertel „Os Concheiros“, das seinen Namen den
zahlreichen Ständen verdankt, an denen einst den Pilgern die berühmten Jakobsmuscheln
verkauft wurden. Wir gehen über die „Casas Reais“- Straße dem historischen Zentrum der
Stadt zu, um dann den „Cervantes“- Platz zu erreichen. Von hier aus ermutigen uns die
Türme der Kathedrale und erinnern uns daran, dass wir nur die „Azabachería“- Straße
entlanggehen müssen (wo die ehemaligen Kunsthandwerker des „Azabaches“ -Gagat- sich
angesiedelt hatten), um das imposante „San Martín Pinario“- Kloster zu erreichen. Wir
müssen nur noch die Passage durchqueren, wo uns die Straßenmusiker mit ihren Instrumenten
erwarten, um uns am majestätischen „Obradoiro“- Platz willkommen zu heißen.
Endlich können wir aufsehen und den ergreifenden Augenblick genießen, an dem wir unser
Ziel erreichen: Vor uns erhebt sich die Kathedrale von Santiago. Wir setzen unseren
Rucksack ab, und suchen von der Mitte des Platzes aus die bestmögliche Perspektive für das
Foto, das unsere Geschichte erzählen wird.
Unser Weg ist zu seinem Ende gekommen -so sagt man! Denn für jeden Pilger, der dieses
Abenteuer mit Intensität verlebt hat, hat der Weg erst hier begonnen.
Willkommen in
Santiago de Compostela
, Pilger!
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